Alte Medizin - Neue Therapie

Hochseeklima | Meeresheilkunde | Thalassotherapie | Klimatherapie | Balneotherapie

Die Balneologie bzw. Bäderkunde geht in ihren ersten Anfängen bis in das Altertum zurück. Vor der Zeitwende und bei fast allen Völkern war das Wasser zur Gesundheitspflege und zur Heilbehandlung im Gebrauch. Heilende Bäder und Waschungen waren üblich. Die Gebräuche der verschiedensten Glaubensgemeinschaften in fast allen Erdteilen schreiben oft noch bis heute, zum Teil in symbolisierender Form, die Anwendung des „lebendigen“ Wassers vor (Hindus im Ganges, Pilatus in der Handwaschszene, Teufe im Jordan usw.).

Die heilenden Kräfte des Meeres sind seit Jahrtausenden bekannt. Auch die Griechen und Römer kannten heilende Bäder und wussten um die oft unerklärlichen Wunderwirkungen des lebendigen Wassers. Von Euripides, dem großen griechischen Dichter ist der Ausspruch überliefert:“Das Salzwasser wäscht alles Böse ab.“

Die Meeresheilkunde geht auf Beobachtungen des englischen Arztes Richard Russel (1700 – 1771) zurück. In seiner Dissertation „Über den Gebrauch des Seewassers bei Drüsenerkrankungen“ beschreibt er, wie aus schwächlichen Kindern blühende Jungen und Mädel wurden. Er gab bereits damals Anweisungen und Richtlinien: „Seawater has great and various exellencies, but it may be misapplied by unskilful persons.” (Seewasser hat großartige und zahlreiche Besonderheiten aber es kann durch ungeschickte Personen falsch angewandt werden.) Das erste Seehospital wurde am 20. Juli 1796 in Margate (Südengland) eröffnet. In Frankreich wurde das Hospital Maritime in Berck 1869 mit 100 Betten gegründet.

Der Prediger Janus in Juist wandte sich am 17.07.1783 mit einer Eingabe an das Preußische Medizinalkollegium und an Friedrich den Großen, um die Errichtung einer Seebadeanstalt „mit dem Ersuchen, solche näher prüfen und uns dessen Meinung sodann darüber bekannt zu machen.“

Der bedeutendste deutsche Arzt jener Zeit, Hufeland, griff 1795 „ diese wichtige Angelegenheit der Nation“ auf, und in seiner Schrift „Die Kunst, das menschliche Leben zu verlängern“ trat er sehr entschieden für Seebäder ein.

Der Borkumer Chirurgus Johann Georg Friedrich Ripking schrieb 1843 in der Zeitschrift „Frisia“ werbend für den Fremdenverkehr und stellte Unterkünfte für kranke Badegäste in dem von ihm bewohnten Hause zur Verfügung (1841 hat er die Borkumerin, Trientje Jacobs van Dyk geheiratet).

1886 entstand auf Norderney das Seehospitz „Kaiserin Friedrich“ und in Wyk auf Föhr das „Nordseehospital“. 1909 in Sahlenburg/b. Cuxhaven wurde die Nordheim - Stiftung gegründet. Am 01. August 1901 wurde durch Kaplan Böddinghaus das Kinderkurheim „St. Maria“ auf Borkum eröffnet.

Bekannte Balneologen haben sich in den folgenden Jahrzehnten um die Vertiefung und Verbreitung der Erkenntnisse der Meeresheilkunde bemüht. Es würde zu weit führen, Einzelheiten zu bringen, doch mögen die bekanntesten Namen erwähnt werden, damit dankbare Erinnerungen wach werden an manche Pioniertat auf medizinischen Gebiet: Amelung, Beneke, Bensch, Goeters, Gmelin, Haeberlin, Menger, Pfleiderer, de Rudder, Siemens u. a.

Je mehr die Grundlagenforschung auf naturwissenschaftlichem Gebiet mit der medizinischen Forschung und der Badearztpraxis konform geht, desto erfolgreicher ist die Meeresheilkunde: die Thalasso-Therapie für Kurpatienten.

Die Thalasso-Therapie hat in 125 Jahren in Borkum eine ungeahnte Aufwärtsentwicklung genommen. Diese verdanken wir dem verbesserten Verkehrswesen, der modernen Hygiene, der sozialen Fürsorge, aber auch unseren Erkenntnissen über das Hochseeklima.

Das Hochseeklima ist ein Reizklima besonderer Art. Wir können diese Reize in einem aktinischen, einen thermischen und einen Aerosolen komplex aufteilen. Das bedeutet, die biologischen Wirkungen von Wasser, Licht und Strahlung sollen während einer Klimakur besonders wirksam werden.

Eine mäßige Steigerung der körperlichen Anforderungen durch Seebaden, Bewegung, Sport und Wanderungen fördert die Abhärtung des Kurpatienten. Dieses bedeutet eine allmähliche Gewöhnung an Kälte und Temperaturunterschiede, also Normalisierung der Ausgangswerte. Im Mittelpunkt aller Therapie steht das kalte Seebad. Das kurze, kalte Seebad ist eine Turnübung für den Kreislauf. Die Massage der Wellen, die aktiven Schwimmbewegungen, das Hochspringen und Nassspritzen, der Reiz der Salzsole – alles dieses sind Möglichkeiten zum Kreislauftraining und zur Abhärtung.

Das Meer mit seiner eigenen biologischen Welt, mit seinem beruhigenden Rauschen und wechselvollen Bildern ist die Mutter dieser Klimatherapie.

Die Weite des Meeres ist die Ursache der Luftbewegung, des Windes, der Staubfreiheit und der Lichtfülle.

Das große Meer in seiner gewaltigen Ausdehnung ist die Ursache der gleichmäßig milden Temperatur und der relativ hohen Luftfeuchtigkeit auf unserer Insel. Daher ist unser Klima gekennzeichnet durch milde Winter und milde Sommer, durch Seewinde im Sommer und Landwinde im Winter. Es ist ein Reizklima im biologischen Sinne.

Dieses sind die hervorragendsten Eigenschaften unseres Hochseeklimas, dieses sind auch die Fundamente und Grenzen einer Klimatherapie.

Das Meer, das die Insel Borkum von allen Seiten umgibt, hat für die Bewohner dieser Insel eine fundamentale Bedeutung. Daher sollte uns das Wasser nicht nur von der physikalisch-chemischen Seite interessieren, sondern auch biologisch. Das soll bedeuten, hinsichtlich des Vorhandenseins von Mikroorganismen und den von ihnen ausgeschiedenen Stoffwechselprodukten. Wir wollen ein „lebendiges Wasser“, das voll biologisch lebt. Ölverschmutzung oder ungeklärte Abwässer sind große Gefahren für die Biologie des Meeres. Der Holländer Huizinga schrieb 1945: „Mit Zerstörung der Landschaft verschwand viel mehr als ein idyllischer und romantischer Hintergrund. Es ging ein Teil dessen verloren, was Sinn des Lebens ausmacht.“

Borkum1975 – 125 Jahre Nordseeheilbad Borkum – finden wir hier bedeutende neue Kureinrichtungen. So das in jüngster Zeit erbaute Meerwasser-Hallen-Wellenbad, das in der Beckengröße von 50 Meter mal 25 Meter das größte temperierte Wellenbad Europas ist. Es beherbergt im unteren Teil eine moderne Kurmittelabteilung mit Sauna, Inhalatorium und Schlickbadeabteilung.

Das 1887 erbaute Warmbadehaus ist abgerissen worden. Mit dem Verkaufserlös konnte ein Personalhaus für die Saisonangestellten der Kurverwaltung gebaut werden. Die kurz vor dem 1. Weltkrieg fertiggestellte Wandelhalle ist innen und außen renoviert und zur „Kurhalle am Meer“ geworden. Die heute 6,4 Kilometer lange Strandpromenade bietet unseren Gästen Gelegenheit zu Spaziergängen am Meer. Diese Promenade wurde 1973 auf diese Ausdehnung nach Süden hin verlängert. Das dadurch entstandene neue Deckwerk des Schutzdammes „Greune Stee“ ist eine beachtliche Bereicherung des Spazierprogramms der Gäste. Als weitere Erneuerung bleibt noch eine Fußgängerzone in der Bismarckstraße zu erwähnen; ferner der neue Seedeich mit dem großen Baggersee. Auch die Borkumer Kleinbahn hat durch die Indienststellung neuer Fähren und Modernisierung der Kaianlagen der zunehmenden Besucherzahl der Insel Rechnung getragen, unser Flughafen wurde ausgebaut und der Seebäderflugdienst erweitert.

Das gegenwärtige bauliche Geschehen in Borkum ist in der Geschichte vom Bad der Beginn einer Planung für die Zukunft. Ein „Haus des Kurgastes“ soll in nächster Zeit hinter dem Hallen-Wellenbad entstehen. In einem Architektenwettbewerb erhielt die Nileg, Hannover, den ersten Preis. Das geplante „Haus des Kurgastes“ soll einen Kursaal und mehrere Räume für Konferenzen und Tagungen erhalten.

Flächennutzungsplan und Bebauungspläne versetzen die Stadt in die Lage, die städtebauliche Entwicklung für die Zukunft zu lenken und dem Stadtbild und damit dem Kurort ein besseres „Make up“ zu geben.

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Quellennachweis: Als noch keine Gäste kamen - Alte Medizin - Neue Therapie | Dr. med. W. Schulte | KVB 125J Nordseeheilbad Borkum | Erarbeitet durch Karsten Schönbeck

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