Als noch keine Gäste kamen

Unser Eiland in grauer Vorzeit

BorkumWie in einer Perlenkette, Perle an Perle gereiht, so liegen vor unserer südlichen Nordseeküste große und kleine Sandinseln. Eine dieser Perlen ist unsere Nordseeinsel Borkum. Fragen über Fragen über das Entstehen und Werden dieser Inseln sind schon gestellt worden. Eine Hypothese hat die andere widerlegt. In unseren Tagen klärt sich das Dunkel dieser Entstehung mehr und mehr.

Heutige Nordsee - noch altes Nordseeland

BorkumAusgehend von den wissenschaftlichen Erkenntnissen der Meeresgeologen und Meeresbiologen, war die heutige Nordsee noch bis 20 000 v. Chr. altes Nordseeland. Durch den Beginn der Nacheiszeit mit ihrer Erwärmung und die dadurch hervorgerufene gewaltige Eisschmelze kam es zu einem fortlaufenden Meeresspiegelanstieg, zur Überflutung dieses Landes und zur Bildung der nördlichen Nordsee, die etwa um 8000 v. Chr. in der Küstenlinie von der Jütlandspitze bis nach Mittelengland ihre südliche Begrenzung fand. Etwa bis 4000 v. Chr. blieb das südliche Nordseeland bis hierher bestehen. Dann setzte in fünf bis sechs Vorstößen mit dazwischen liegende Stillstandsperioden die Überflutung und Zerstückelung des südlichen Nordseelandes ein, die begünstigt wurde durch eine festgestellte Senkung dieses Erdschollengebiets.

In der Zeit v. 1600 v. Chr. bis 650 n. Chr.

BorkumSo bildet sich in der Zeit v. 1600 v. Chr. bis 650 n. Chr. unsere heutige südliche Nordseeküste. Das Küstenland wird überflutet und zerstückelt, halligartige Inseln entstehen vor ihm. Mit sandigen Ton (Marschboden) werden Inseln und Küstengebiete überschlickt. Eine solche große Halliginsel – Bant genannt – lag auch in unserem heutigen Inselraum und zog sich bis weit nach Südosten bis zum heutigen Festland hin. Vor dieser Insel „Bant“ lagerten sich durch Stauungen der Wellen des Meeres im Nordwesten Sandmassen ab und bildeten Sandriffe und Sandbänke. Diese Sandmassen wurden im Laufe der späteren Jahrhunderte auf die langsam versinkende Marschinsel „Bant“ geworfen, so dass die Insel im Nordwesten eine erhöhte Sandinsel und nach Südosten eine langsam untergehende Marscheninsel wurde, die 1781 als Restinsel „Bant“ im Südosten unserer Insel verschwand. So ist unsere Insel Borkum eine Neuauflagerung von Sandmassen auf eine untergegangene ehemalige Großinsel „Bant“, also eine alluviale (Schwemmboden) Bildung auf diluvialem (Überschwemmung) Sockel. Hinsichtlich ihrer genauen Lage, ihres Aussehens, ihrer Größe und ihrer Geschichte liegt sie aber im 1. Jahrtausend in tiefes Dunkel gehüllt.

Geographen „Strabo“; Geschichtsschreiber „Plinius“

BorkumDurch die Eroberungszüge der Römer um die Zeitenwende vom Norden Germaniens her hören wir von dem griechischen Geographen „Strabo“ von einer friesischen Insel, die er „Byrchanis“ nennt. Der römische Geschichtsschreiber „Plinius“ (23-70 n. Chr.) spricht von einer friesischen Insel – bezeichnet, dass sie bewohnt gewesen sei und auf der die Chauken – die Vorgänger der Friesen – in armseligen Hütten gewohnt hätten. Mit beiden Namen ist wahrscheinlich unsere Insel gemeint gewesen, die also als größere Sandinsel um diese Zeit schon bewohnt gewesen sein muss.

Borkna; Borkyn; Borckum

BorkumAuch in den nächsten Jahrhunderten bleibt uns noch vieles verborgen. So klingt um 1227 und 1270 der Name „Borkna“ auf. 1381 wird besagte Sandinsel anlässlich einer Lehensübertragung durch den Herzog Albrecht von Bayern, Graf von Holland, an den ostfriesischen Häuptling Ocko tom Brok „Borkyn“ genannt. Auf einer handschriftlichen Seekarte aus dem Jahre 1462 erscheint erstmalig ihr Name „Borckum“. Später erhalten wir aus einem Wiederabdruck eines Segelhandbuches des holländischen Kapitäns, namens Cornelius Antonisz, 1541, 1544 und 1568 eine Schilderung unserer Insel von der Seeseite aus.

BorkumDanach muss durch die Marcellusflut von 1362 unsere Insel in drei Teile geteilt worden sein. Eine große Lücke ist zwischen dem heutigen Westland und dem Ostland – dem sogenannten „Tüskendör“ – (Zwischendurch) und eine zweite zwischen dem Westland und den Sanddünen, den heutigen Woldedünen. (Alter Borkumer Spruch auf der damaligen Amtssprache "Niederländisch": Indien de Woldeduinen konden spreken, Zou het Borkum nooit aan geld gebreken. Deutsch: Wenn die Woldedünen könnten sprechen, Würd´es Borkum nie an Geld gebrechen.)

Borkumer Namensgebung: 66 vor bis 24 nach Christus Burchanis / Byrchanis; 7 v. Christi Burcana;23 bis 79 nach Burcana fabria (Bohneninsel) Burchana; 877-987 Bant ;1170 der westlichste Teil hieß Borkum und das Ostland hieß Bant, diese waren auch in kirchlicher Sicht getrennt Borkum gehörte zum Bistum Bremen Bant gehörte zum Bistum Münster; 1227 erste urkundlichen Erwähnungen der Insel Borkum; 1227 Namensgebung Borkum "Borkna"; 1379 Namensgebung Borkinna; 1406 Namensgebung Borkyn; 1440 Namensgebung Borchum Ooge; 1462 Namensgebung Borkum "Borckum"; 1522 Namensgebung Borkum "Borcum"; 1541 Namensgebung Borckom; 1554 Borchum / Borkum;

 

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Quellennachweis: Als noch keine Gäste kamen - Unser Eiland in grauer Vorzeit! | Wilhelm Pötter | KVB 125J Nordseeheilbad Borkum | Erarbeitet durch Karsten Schönbeck

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