Rettungsschwimmer am Strand 1912 verunglückt

Die Nordsee nicht auf die leichte Schulter nehmen

Ebbe und Flut, gemeint die Gezeiten und die Strömung, die an nicht gesicherten Badestränden eine Gefährdung für Schwimmer sind – ist das Schwimmen zu unterlassen. Hierfür hat die Insel Borkum eigens bewachte Badestrände ausgewiesen, die unter der Aufsicht von ausgebildeten Rettungsschwimmern der DRLG gestellt sind. Den freundlichen Anweisungen sollte man folgen und nicht über die Schwimmfeldabgrenzungen darüber hinaus schwimmen.

Borkum Bewachte Badestrände DLRG

Es gibt auf Borkum eine Bewogenheit von einem Kurgast, der die Anweisungen unbelehrbar missbilligte und mehrmals weit über die Grenze hinaus schwamm. Nach erfolgten Belehrungen von Borkumer Rettungsschwimmer, erwiderte er: „Kinder, habt euch doch nicht so mit der Gefährlichkeit eurer Nordsee!“

Weiterhin lachte dieser über die Schwimmer:“ Ihr wollt Schwimmer sein und redet von ein bisschen Strömung? Kommt mal an den Rhein, da könnt ihr erfahren, was Strom und Wirbel sind und wie man sie meistert!“

Es war der Tag 16, im August, dem Jahre 1912; Sommerliche Temperaturen, leichter Klang der Wellen die am Strandsaum rauschten und die Touristen / Badegäste förmlich magisch an den Strand zogen. Einer aber kam aus dem Binnenland, soll zu seiner Zeit ein Musiker gewesen sein, aber mit recht gut schwimmerischen Fähigkeiten. Dieser Gast blieb unbelehrbar; anderen Gästen am Strand erzählte er, dass er am morgigen Tage abreisen, aber zuvor noch einmal die Rettungsschwimmer ein bisschen ärgern wolle.

DLRG - Station am Südstrand jeden Dienstag 10:00 Uhr Infovortrag über die Badesicherheit an Borkums Stränden
DLRG Borkum Die Rettungsschwimmer

Wiederum schwamm er über die Abgrenzung des Badefeldes weit heraus; angemahnt durch schallende Signale die zur Umkehr mahnten, erhörte er und folgte endlich den Signalen. Aber es sollte anders kommen als kommen sollte; ihm gelang es aber diesmal nicht sich den Strand zu nähern. Innerhalb des Badefeldes trieb er seitlich ab, was die aufmerksamen Retter am Strand durchaus beobachteten. Barney, ein Rettungsschwimmer stürzte sich in die Fluten um den Kurgast aus seiner misslichen Lage zu befreien. Im Rettungsgriff versuchte der Retter den schweren Gast weiter an Land zu bringen, aber sie trieben beide durch Kraftverlust weiter auf die offene See.

Gerhard Nolting, Barneys Schwager, der am Strande das Geschehen beobachtete, das wohl sein Schwager es nicht alleine schaffen wird und sich bei einem Gast aus einer Unterhaltung mit den Worten:“ Bis nachher denn – ich muss jetzt erst meine Pflicht tun“ verabschiedete!“

Über eine Buhne, die er bis zum Ende lief, begab sich zügig und vorsichtig ins Wasser und eilte kräftig schwimmend zu Barney, um den bleischwer gewordenen Gast mit vereinten Kräften an den rettenden Borkumer Strand zu bringen. Doch die Strömung war stärker geworden und das was sie sich zum Strand erschwommen hatten, war bereits wieder verloren. Sie gewannen keine einzige Seemeile, so sehr sie sich auch bemühten; trieben aber immer weiter ab so dass sie fast gar nicht mehr von der Insel aus sah. Zwischenzeitlich bemühte man sich mit Eile um ein Boot zu Wasser zu lassen, um sie hiermit zu retten. Leider kamen die Ruderboote zu spät – lebend hat man sie nie wieder gesehen; nur ihre Leichen.

Borkum Nationalpark Weltnaturerbe

Die des Gastes trieb schon nach einigen Stunden am Borkumer Strand an, die vom Rettungsschwimmer Barney nach drei Tagen und letztlich Gerhard Nolting; dieser Leichnam trieb nach über drei Wochen bei Cuxhaven an und wurde nach fast hundert Seemeilen östlich von Borkum geborgen.

Das hereingebrochene Unglück zerstörte die gesamte Familie, so dass die Eltern ihre Lebenskraft verloren und Monate später selbst Sohn- und Schwiegersohn ins Grab folgten.

 

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(c) Schoenbeck Borkum 27.12.2013