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Böskupp van Börkum

Das goldene Jahrhundert.....

.....unserer Insel Borkum
Borkum

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Kaum waren die Wirren des Krieges gegen 1713 vorüber, da beginnt im nahen und fernen Raum unserer Insel der Seehandel und die Seefahrt wieder. Ja für die seefahrenden Länder entwickelt sich durch den Walfang ein Wirtschaftszweig erster Ordnung.

 

Wenn uns heute im letzten Viertel unseres zwanzigsten Jahrhunderts die vielen ungelösten Probleme der Welt- Erdölversorgung gewaltige politische und wirtschaftliche Schwierigkeiten bereiten, vor allen Dingen in der Sicht zwischen den erdölerzeugenden und erdölverbrauchenden Staaten und Ländern, dann hat es im 17. Und 18. Jahrhundert auch schon ähnliche wirtschaftliche, ja politische Probleme gegeben, als es darum ging, die Menschheit mit dem notwendigen tierischen Öl zu versorgen. So ist der Walfang, die Jagd auf die großen Säugetiere der Weltmeere, das große Problem dieser Jahrhunderte.

 

Schon weit vor den Wirren des Spanischen Erbfolgekrieges sind es zuerst die Portugiesen, dann die Spanier (Basken), die von der Küste aus Walfang betrieben und bis an den Rand der Arktis vorstießen. 1596 kommen die letzteren schon bis Spitzbergen. Ihnen folgen gegen 1598 die Engländer und die Niederländer (Holländer), die 1611/12 in den Raum bis Jan Mayen gelangen. Der Holländer Wilhelm Barents fährt mit einer Walfangflotte in die nach ihm benannte Barents-See. Andere beginnen im Raum zwischen Spitzbergen und Grönland mit dem Fang. Im 17. Jahrhundert hören wir von Hafenstädten aus dem holländischen Raum, von Emden und Hamburg, vom Bestehen und von dem Auf- und Ausbau von Reedereien für den Walfang. So fährt schon um diese Zeit ein Borkumer, namens „Pieter de Jonge“, als einer der ersten Kommandeure (Kapitäne) mit einem Emder Schiff auf Walfang. Er ist es, der sogar als erster 1721 die Fanggründe westlich Grönlands, die „Davis Strat“, aufsucht. Von 1713 an entwickelt sich durch diese neue Erwerbsmöglichkeit auch für unsere Insel Borkum eine Epoche von bisher nicht gekannter wirtschaftlicher Blüte.

.....nach Spitzbergen und Jan Mayen
Borkum

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Ausgelöst wird diese einmal dadurch, dass die insulare Bevölkerung sehr stark um diese Zeit schon seemännisch ausgerichtet sein muss, zum anderen aber auch, dass sie daran eine verstärkte Anteilnahme nahm. Als kühne, wagenmutige Seefahrer verließen sie im Frühjahr ihre heimatliche Insel und ließen sich vorwiegend bei Amsterdamer Reedern oder für Rechnung Emder und Hamburger Kontore anheuern. Im Kampf gegen Wind und Wetter fuhren die dann auf ihren Fangschiffen (Segelschiffen) die nördliche Nordsee hinauf und hinein in die eisgepanzerte Arktis bis nach Grönland, zur Davis-Straße, nach Spitzbergen und Jan Mayen und legten dort fast ein Jahrhundert Zeugnis ab von der hohen seemännischen Tüchtigkeit. Wahrlich, wieviel Wagemut, wieviel stilles Heldentum erforderte dieser Einsatz zur damaligen Zeit, da man in einem kleinen Boot sich an den Wal heranpirschen und Auge in Auge mit Handharpune und Schwert diesen etwas langsamer schwimmenden Grönlandwal erjagen musste. Und welche hohe berufliche Eignung müssen auch unsere Walfänger besessen haben! Berichtet die Chronik doch schon um 1735 – also nach zwei Jahrzehnten – von 16 ausfahrenden Borkumer Kommandeuren, die also ein Walfangschiff zu führen vermochten. Es scheint in diesen Jahrzehnten so gewesen zu sein, als wenn die gesamte männliche Bevölkerung von diesen Walfangfieber angesteckt wurde; denn lesen wir doch in den späteren Jahren, dass fast ein Viertel der Inselbevölkerung – und das sind 200 Menschen – am Walfang beteiligt gewesen seien. Da müssen Väter als Kommandeure sich nicht nur ihre gesamte Mannschaft aus Insulanern rekrutiert haben, und zwar als Steuerleute, harpuniere, Speckschneider, Böttcher, Zimmerleute, Smutje usw., sondern sie nahmen als Schiffsjungen schon ihre zwölfjährigen Söhne mit; denn sonst kann es nicht möglich sein, dass unter den im Jahre 1769 aufgezählten 22 Borkumer Kommandeuren sich 20 – bis 25 jährige Kapitäne befanden. Die höchste ausfahrende Zahl betrug 23 Kommandeure.

 

Der erfolgreichste unter diesen Kommandeuren ist wohl Rolf Gerritz Meyer gewesen. In 44 Fahrten, von 1736 bis 1781, brachte er nach genauer Feststellung mit seinen Männern 301 Wale zur Strecke. Diese großen Säugetiere wurden natürlich nicht nur dort oben in der Arktis gejagt, sondern man speckte sie auch dort an Ort und Stelle des Fangplatzes ab, zerstückelte sie und begann mit der Trankocherei. Da man anfangs die Wale in die Buchten trieb, um dann dort den sogenannten „Bayen-Fang“ zu betreiben, standen diese Trankochereien an den Ufern auf den meterdicken Eisflächen. Erst später ging man dazu über, diese großen Säugetiere auf offenen See zu erlegen. Wenn die Walfänger dann im Herbst oder schon im Spätsommer glücklich mit ihrer Beute heimkamen, brachten sie ihre Jagdtrophäen in Gestalt von Walrippen und Walkinnladen mit, die in berechtigten Stolz zwecks Einzäunung ihrer Hausgärten in den Inselsand gesetzt wurden. So stehen noch heute – im zwanzigsten Jahrhundert – auf verschiedenen Vorplätzen der Borkumer Häuser die stummen Zeugen dieses Jahrhunderts, und dort, wo einstmals Borkums größter Walfangkommandeur wohnte, kündigt ein solch erhaltener Zaun noch von dem goldenen Jahrhundert unserer damaligen Inselbevölkerung (ev. – ref. Pfarramt).

Borkumer Walfangkommandeure :

Quelle:BZ 20.04.2015

Ja. Es waren „goldene Jahrzehnte“; denn der Verdienst der Walfänger, besonders der am fangerlös beteiligten Kommandeure, der im Offiziersrang stehenden Besatzungsmitglieder und Harpuniere, war für die damalige Zeit ein bedeutender. Es gab keinen festen Lohn, sondern Handgeld und von jedem gefangenen Wal eine gewisse, bei größeren Fängen beträchtliche Geldsumme. Nach holländischen Statistiken erhielt ein Kommandeur bei einem Fang von zehn Walen 3600 Gulden (€ 1633.61) – nach heutigem Wert etwa 70000 (€ 35.790,44) bis 80000 DM (€40.903,36). Wir brauchen uns dann auch nicht ädriger zu wundern , dass der „Marsemmer“ (Mastkorbeimer), ein zierliches Eimerchen mit zahlreichen hölzernen Reifen, der an der Stubendecke aufgehängt und mit einem verschließbaren Deckel versehen war und zur Aufbewahrung des Geldes gedient haben soll, manchmal bis an den Rand mit blanken Goldstücken sich füllte.

.....gegenseitig ein sehr starkes Vertrauen
Borkum

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Wenn man heute darüber nachdenkt, dass in der damaligen Zeit die Haustüren auch nicht verschlossen waren, dass das Geld unverschlossen in einem Eimer an der Decke hing, dann zeugt das doch von einer grundehrlichen, sauberen charakterlichen Haltung dieser Bevölkerung. Man kannte sich selber, und man kannte seinen Mitmenschen und hatte gegenseitig ein sehr starkes Vertrauen zueinander. Sonst wäre auch folgende Begebenheit nicht denkbar, die uns überliefert wurde: Wenn jemand bei wohlgefülltem „Marsemmer“ von einem in Not geratenen Mitbürger um ein Darlehen angesprochen wurde dem Bittenden einfach auf treu und glauben gestattet, sich selbst aus dem erwähnten Eimerchen nach bedarf die Geldmenge herausnehmen, die man brauchte, und zwar mit den Worten „Nim dit man“ (Nimm es dir nur). Wenn derselbe dann wiederkam, um das geliehene Geld zurückzuzahlen, wurde nicht nachgezählt. Dann erhielt er die Antwort „Leg dat man weer drin“ (Lege das man wieder hinein). Klingt diese kleine Ausführung am rande des gesamten Berichtes nicht heute für uns wie ein Märchen?

 

Vergessen wir aber auch nicht über den Erfolg, dass dieser dem Meere abgerungene Wohlstand nicht ohne große Opfer an Menschenleben erkauft werden musste. Die Sterberegister der Kirchenbücher der Evangelisch-reformierten Gemeinde Borkums enthalten eine Katastrophenchronik ohne Ende. Man liest von Einzel- und Totalverlusten. Da fehlen im Jahre 1734 von 120 Haushaltungen in 40 Familien die Ernährer, und in den Jahren 1770, 1771, 1772, 1773, 1777 und 1778 heißt es oftmals: „Gebliven mit ganzer Mannskup up See“ (Geblieben mit ganzer Mannschaft auf See).

.....begann der englisch-holländische Seekrieg
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So kündigt ein Jahrhundert von stolzen Erbfolgen, von einem nie dagewesenen Wohlstand und Glück, aber auch von einem tiefen Leid, dass die Inselbevölkerung heimsuchte. So schnell sich nun dieser Aufstieg entwickelte, so plötzlich nahm er auch wieder so ein abruptes Ende. Wieder waren es Kriegswirren und Kriegsgeschehen, die den in schwerem ringen erworbenen Wohlstand einer Inselbevölkerung ruinierten. Gegen1780 begann der englisch-holländische Seekrieg um die Erringung der Macht auf dem Meere, und in den Jahren dieser Kämpfe kam zuerst der holländische Walfang 1781 bis 1783 zum vollkommenden Erliegen. Ein Teil der auf holländischen Schiffen fahrenden Besatzungen wurde mit ihren Schiffen aufgebracht und über ein Jahr festgesetzt. Mancher von ihnen kam nicht heim, und diejenigen Walfänger, die ihre heimatliche Insel wiedersehen durften, verließen bald wieder das Eiland, um sich in Hamburg bei den Walfangkontoren wieder anheuern zu lassen. Der von Emden und Hamburg aus betriebene Walfang erlitt dann kurze Zeit später durch Wirren der napoleonischen Kriege von 1806/07 das gleiche Schicksal, und damit fand die für unsere Insel begonnene glanzvolle Epoche – Walfangzeit genannt – einen jähen Abschluss. Wohl hatte der Walfang eine Zeit plötzlicher Blüte hervorgerufen, aber solide war der Wohlstand nicht. Ein Glücksspiel war diese jährliche Ausfahrt gen Norden gewesen und hatte eine große Verdienstquelle erschlossen. Aber zu Hause hatte man sich auf die Bärenhaut gelegt. Man hatte die Gärten verkommen lassen, die Viehhaltung verringert, die Wiesen wenig tragreich gestaltet und die heimische Fischerei stark vernachlässigt.

 

Dieser in heroischem Kampf und unter großen Opfern erworbene Wohlstand findet auch seinen sichtbaren Ausdruck in der Zunahme der Bevölkerung. Sie steigert sich von 470 Seelen in 92 Häusern – 1740 sind 147 Häuser vorhanden – auf 852 Einwohner in 180 Häusern im Jahre 1776. Eine weitere Folge dieses durch den Walfang ausgelösten Wohlstandes war der Aufschwung der heimischen Küstenschifffahrt. Im Jahre 1747 fuhren 21 in Borkum beheimatete Schiffe zwischen Amsterdam, Bremen und Hamburg. Die Fischerei allerdings in den Küstengewässern, die vorher nicht unbedeutend war, ging in diesen Jahrzehnten stark zurück.

Billerbook Börkum

Quellennachweis: Das goldene Jahrhundert unserer Insel | Wilhelm Pötter | KVB 125J Nordseeheilbad Borkum | Erarbeitet durch Schönbeck-Borkum

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