Warmwasserbadeanstalt des Nordseebades Borkum erbaut in der Saison 1887.....

Börkum hett Tied för di | Breite 53´33´N | Länge 6´45´E
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Aufzeichnungen, Protokolle, Pläne, Entwürfe vom Bau der Wandelhalle wurden bis Februar 1991 nicht gefunden. Um den Werdegang der Wandelhalle zurückverfolgen zu können, müssen wir auf die Veröffentlichungen in der damaligen „Borkumer Zeitung u. Fremdenliste“, sowie dem „Borkum-Führer“ von 1912 (damaliger Prospekt) zurückgreifen.
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Borkumer Warmwasserbadeanstalt
Der Bau einer Wandelhalle wurde konkret. Der Architekt Golle wurde mit Anfertigung eines Querschnitts und Vorlage einer ungefähren Kostenrechnung beauftragt. Eine Kommission wurde gebildet, die ähnliche Anlagen in Scheveningen (Holland) und Blankenberghe (Belgien) besichtigen sollte.
In Sachen der Erbauung einer Wandelhalle wurde auf Grund des Ergebnisses der stattgefundenen Besichtigung beschlossen, einen engeren Wettbewerb unter 3 Architekten zu veranstalten. – Die Wandelhalle soll sich über die ganze Länge der Kaiserstraße erstrecken und in der Breite von 10 Metern angelegt werden. Von der Strandstraße bis Prinz Heinrichstraße soll eine bedeckte Wandelhalle mit Lese=, Spielsalon und Musikpavillion und in die Treppen Wasserklosetts eingebaut werden. – Es wird geplant, zunächst den Mittelbau (bedeckte Wandelhalle) mit Treppen= und Musikpavillion zur Ausführung zu bringen und die Verlängerungen nach Süd= und Nord nur projektieren zu lassen. Für den in Angriff zu nehmenden Bau wurde als Höchstgrenze das von der Gemeindeversammlung zur Verfügung gestellte Kapital von 120 000 Mark bestimmt. Die Einreichungsfrist für die Entwürfe ist auf 15. November festgesetzt. – Die Art der Ausführung behält sich der Gemeindeausschuss vor.
An diesem Sonntag waren in einigen Räumlichkeiten des neuerbauten Rathauses die Entwürfe und Schnitte der projektierten Wandelhalle auf mehreren Staffagen angebracht. Das Rathaus war Anziehungspunkt vieler Interessenten. Ziesel u. Friederichs, Architekten, Köln, (diese Firma hatte auch ein Gipsmodell ausgestellt), Professor Möhring, Architekt, Berlin, Paul Kossel und Cie., Bremen. Letztere Firma war mit 2 Entwürfen unter den Mottos „Am Nordseestrand“ und „Weltbad“ vertreten.
In der Gemeinde-Ausschusssitzung wurde beschlossen, den Entwurf der Architekten Ziesel u. Friederichs anzunehmen. Durch Schreiben beschwerte sich Architekt Wels aus Berlin, das sein Entwurf keine Annahme gefunden hat, obwohl die projektierte Anlage doch lediglich seiner Idee entsprungen sei. Hierüber sollte Urteil eines Rechtskundigen eingeholt werden. Der an der Sitzung teilnehmende Architekt Friederichs erläuterte sein Projekt anhand der aufgestellten Pläne:
In Frage kommt vorläufig nur der Teil von der Strand= bis zur Prinz Heinrichstraße. Die Halle wird eine Länge von 114 Metern erhalten bei einer Breite von 8 Metern. Vorgesehen ist ein großer Zentralraum in elliptischer Form; hinter demselben befindet sich ein Bufet mit den entsprechenden Räumlichkeiten. An den Enden der Halle werden Spiel= und Lesesäle in den Abmessungen 9x10 Meter untergebracht. Vor der Halle erstreckt sich eine Terrasse und in der Mittelachse der Halle in entsprechender Entfernung der Musikpavillion, der Raum für ein 14köpfiges Orchester bietet. Die Zugänge zu der Halle sind von den Treppenaufgängen gedacht und durch Dreh= oder andere Türen geschlossen. Zwischen Treppen und Vorhallen liegen die Toiletten und sind hierbei besonders die sanitären Vorschriften in Bezug auf Licht und Luft genügend berücksichtigt. Bei der Konstruktion der Halle glaubt der Architekt ohne Eisen auszukommen. Die Architektur der Halle sei auf Wunsch der Kommission in Beton gedacht. Der ganze Bau wird etwa 4,50 Mtr. Hoch.
Es schloss sich eine Diskussion über die Verzinsung des Projektes an: die Kursteuer sollte in geringer Weise erhöht werden, einen teil der Zinsen sollte die Erfrischungshalle erbringen, der Rest sollte von der Gemeindekasse übernommen werden. Einige Hoteliers sprachen sich jedoch gegen die Einrichtung einer Erfrischungshalle aus.
v. Dyken ist gegen jede Erhöhung der Kursteuer, Köhler wünscht Erhöhung der Kursteuer, Schmidt kritisiert den vorliegenden Entwurf des Projektes in welchem die angegebenen Räumlichkeiten kein Erfrischungsraum mehr seien sondern mehr schon für ein Restaurant berechnet sind. Köhler erklärt sich noch einmal gegen das Projekt.
„Wegen des Geländes stehe die Gemeinde in Kaufverhandlungen und wird das ganze Terrain 48000 Mark kosten. Die Regierung wünsche vorerst noch über einige Punkte Aufklärung und wolle er (Ortsvorsteher Kieviet) morgen nach Aurich; man möge ihm aber noch einen Herren vom Ausschuss mitgeben. Ablehnen könne man den angebotenen Kauf nicht. Würde von Seiten der Gemeinde dort am Strande nichts unternommen, dann bestünde die Gefahr, dass die Regierung den Platz anderweitig verpachte, was für die Hotels am Strande schlimmer sei als eine Wandelhalle mit Erfrischungsraum.“ (so der Berichterstatter)
Der Vorsitzende eröffnete die Sitzung und macht Mitteilung über die Verhandlungen, die er in Gemeinschaft des A. M. Hawich mit den Dezernenten der königl. Regierung in Aurich geführt hat. Die Regierung stellt noch einige Bedingungen bezgl. der Erwerbung des Geländes für den Bau der Wandelhalle. Der Vorsitzende hat die Bedingungen formuliert und bittet um Annahme derselben, welche wie folgt lauten:
Es kann nun sicher gelten, dass der mittlere Teil der Wandelhalle noch bis zum Beginn der diesjährigen Saison fertig gestellt wird. Nachdem die von den Architekten Ziesel & Friederich in Köln umgearbeiteten Pläne hier eingegangen waren und auch die ministerielle Genehmigung unmittelbar bevorsteht, fand am Mittwoch Nachmittag seitens des Gemeindeausschusses und der Badedirektion eine Besichtigung des abgesteckten Geländes statt. Es wurde sodann gleich an Ort und Stelle beschlossen, mit den Erdarbeiten unverzüglich zu beginnen und den Bau nach Möglichkeit zu fördern.
Am Freitag wurden die Erdarbeiten, welche durch den Wandelhallenbau erforderlich werden, vergeben. Es waren sechs Offerten eingereicht. Mindestfordernde war die Fa. Paul Kossel u. Cie. Hierselbst mit Mk. 10600. Die höchste Offerte lautete auf Mk. 26500. Es beträgt mithin die Differenz zwischen höchster und niedrigster Offerte Mk. 15900! Ein nettes Sümmchen!!
Verpachtung der Wandelhallen-Wirtschaft. Von den 6 Offerten erhielt der Hotelier Otto Kämpfer den Zuschlag.
Die Borkumer Badezeitung u. Fremdenliste berichtete über die umfangreichen Baumaßnahmen der Wandelhalle in den letzten Monaten:
Die in Eisenbeton konstruierte Wandelhalle ist vorläufig 180 Meter lang, soll aber später auf 500 Meter verlängert werden (320m). Sie steht in der Verbindung mit einer neuen 14 Meter breiten Strandpromenade und einem 3000 Quadratmeter großen Konzertplatz in dessen Mitte sich ein für 40 Musiker Platz bietender Musikpavillion erhebt. Die Halle kommt in ihrem architektonischen Aufbau hauptsächlich vom Strande aus gesehen zur Geltung, da sie zwischen der darüber führenden Kaiserstraße und der 6 Meter unterhalb befindlichen Strandmauer liegt.
Den Mittelpunkt der Anlage bildet ein 250 Quadratmeter großer Zentralraum mit Küchenräumen und Büffets. Nach beiden Seiten schließen die 8 Meter tiefen Wandelhallen an. Da diese mit großen Schiebefenstern versehen sind, kann man auch bei schlechtem Wetter den Blick auf das Meer von der Halle aus genießen. Monumentale Treppen führen von der Kaiserstraße zur unteren Promenade und zum Strande. Hinter den Treppen befinden sich auf das modernste ausgestattete Garderobe= und Toilette= Räume. Die Baukosten des zunächst ausgeführten Teiles der Wandelhalle betragen etwa 4500000 Mk.
Ein monumental wirkenden Abschluss nach dem tiefer liegenden Strande hin hat diese hochgelegene Terrasse nunmehr durch die Wandelhalle bekommen, die in ihren wesentlichsten, dem mittleren Teile, schon für die Kurzeit 1911 fertig gestellt war. Diese ganz neue Anlage umfasst eine bequeme, geräumige Promenade mit Musikpavillion in unmittelbarer Nähe des Strandes und in Höhe der Strandmauer, die gleichzeitig umfangreich genug ist, um einen ungestörten Verkehr während des Strandkonzerts zu ermöglichen, und außerdem einen überdachten Raum, die eigentliche Wandelhalle, die auch bei weniger freundlichen Wetter einen geschützten Aufenthalt bietet.
Das gewaltige Bauwerk ist dem früher offen liegenden Dünenabhang unmittelbar vorgebaut uns schließt nach dem Strande hin mit der alten Strandmauer ab. Der Gesamtkostenaufwand beträgt ½ Millionen Mark.
Die neue Promenade mit Wandelhalle liegt etwas tiefer als das Terrain der Kaiserstraße, die bis dahin schon, wie oben erwähnt, eine unvergleichliche Meeresterrasse bildete und nunmehr durch die architektonisch wirksame Zinnenkrönung des Daches der Wandelhalle eine Verbindung mit der neuen Anlage erhalten hat, durch die ihr eigener bisheriger Charakter nur noch gehoben wird.
Der mittlere zunächst hergestellte Teil von 170 Meter Länge hat zwei seitliche, mächtige Treppenanlagen, die von der Kaiserstraße zum Strande hinunterführen. Dazwischen ist die 8 Meter tiefe Wandelhalle eingebaut und davor liegt der 3000 Quadratmeter große Konzertplatz mit in der Mitte vorgelagertem Musikpavillion. In den Treppen sind auf das modernste ausgestattete Garderoben- und Toilettenräume eingerichtet. Ein 250 Quadratmeter großer Mittelraum der Wandelhalle mit Büffeteinrichtung ermöglicht Einnahme von Erfrischungen auch am Strande.
Ohne Überhebung darf von der neuerbauten Wandelhalle behauptet werden dass kein deutsches Seebad etwas, auch nur annähernd dem zu Vergleichendes an die Seite zu stellen hat. Die Wandelhalle hat diese Strandpartie noch mehr, als es bisher der Fall war, zum Mittelpunkt des Badeverkehrs gemacht.